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Dienstag, 4. November 2008

Okzitanisch - Das andere Französisch

In Frankreich wurde nicht immer nur Französisch gesprochen. Über viele Jahrhunderte sprachen die Menschen im Süden des Landes l'Occitan, das Okzitanisch. Dabei handelt es sich nicht um eine Variante oder einen Dialekt des Französischen: Okzitanisch ist eine so genannte galloromanische Sprache und blieb relativ unberührt von fränkischen Einflüssen. Sowohl das Französische als auch Okzitanisch haben sich unabhängig voneinander aus dem Lateinischen entwickelt.

Als natürliche Grenze der beiden Sprachräume in Frankreich gilt die Loire. Südlich des Flusses bildete sich die Langue d’Oc, das Okzitanische aus, nördlich davon die Langue d’Oïl, das weitgehend dem heutigen Französisch entspricht. Diese Bezeichnungen rühren von der unterschiedlichen Schreibweise des Wortes Ja her. Oïl steht für die altfranzösische Variante des oui; oc ist eine Abwandlung des lateinischen Partikels hoc. Das Okzitanische hat auch heute noch zahlreiche Dialekte, die sich in drei Gruppen einteilen lassen: Provenzalisch, Languedokisch und Gaskognisch.

Ihre Blüte erlebte das Okzitanisch im Mittelalter. Dort war sie die Sprache der Troubadoure und beeinflusste die Dichtkunst in ganz Europa zu dieser Zeit. Aber auch im alltäglichen Leben hatte die Sprache einen hohen Stellenwert.

Die Bedeutung des Okzitanischen im Alltag verschwand mit dem Erlass Ludwig XIV., Okzitanisch als Unterrichtssprache an den öffentlichen Schulen abzuschaffen. Mit der Französischen Revolution ab 1789 verlor die Regionalsprache weiter an Bedeutung. Der öffentliche Diskurs wurde auf Französisch geführt, das Bildungswesen wurde zentral von Paris aus organisiert und bediente sich der französischen Sprache.

Okzitanisch Heute

Nach langen Jahrzehnten der Vernachlässigung erlebte das Okzitanisch schließlich ein Comeback. Bereits im 19. Jahrhundert setzten sich Künstler und Intellektuelle für den Erhalt der Sprache ein, indem sie die alten Texte und Lieder studierten. Mitte der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts einigte man sich dann auf verbindliche Regeln für die Grammatik der Sprache.

Heute wird Okzitanisch wieder an Universitäten gelehrt und an Schulen als Wahlfach angeboten. Es gibt sogar spezielle zweisprachige Privatschulen, in denen den ganzen Tag Okzitanisch unterrichtet wird. Insgesamt lernen 70.000 französische Schülerinnen und Schüler jährlich Okzitanisch.

Im privaten Umfeld wird die Sprache im Süden Frankreich heute von etwa 2 bis 3 Millionen Menschen gesprochen. Als allgemeine Alltags- und Kommunikationssprache wird sie jedoch in keinem zusammenhängenden Gebiet mehr benutzt. Zudem existiert zwar eine umfassende Schriftsprache, die zum Teil auch im Schulunterricht verwendet wird, allerdings findet diese nicht bei allen Sprechern Anerkennung.

Eine detaillierte Betrachtung der okzitanischen Sprache findet sich auf den Seiten der Universität Freiburg.

Die Website Lexilogos bietet ihrerseits eine sehr umfangreiche Linksammlung zum Occitan und seiner einzelnen Dialekte.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Französisch in den USA: Louisiana

In letzter Zeit ist der US-amerikanische Bundesstaat Louisiana vor allem wegen Wirbelstürmen und Überschwemmungen in die Schlagzeilen geraten. Der Bundesstaat am Golf von Mexiko blickt jedoch auch auf eine wechselvolle Vergangenheit zurück, in der Frankreich und auch die französische Sprache eine große Rolle spielen.

Bereits 1682 beanspruchten die Franzosen Louisiana und besiedelten es 1699 dauerhaft. Zu Ehren des französische Königs Ludwig XIV. wurde das riesige Gebiet, das vom heutigen Kanada bis zum Golf von Mexiko verlief, auf den Namen Louisiana getauft. In der Folgezeit fielen Teile Louisianas an Spanien, Großbritannien und die USA, um anschließend jedoch wieder unter die Herrschaft Frankreichs zu fallen. Im Jahr 1803 verkaufte Napoleon I. den französischen Anteil für 15 Millionen Dollar an die damals noch jungen Vereinigten Staaten.


Der Einfluss Frankreichs in der Vergangenheit hat Louisiana nachhaltig geprägt. Noch heute hat die französische Sprache in dem Bundesstaat am Mississippi-Delta einen besonderen Stellenwert. Als frankophon werden in Louisiana mehrere Bevölkerungsgruppen bezeichnet. Zur Gruppe der Creoles zählen zum einen die Nachfahren französischer und spanischer Einwanderer sowie Nachkommen der Bewohner der früheren französischen Karibikkolonien.

Die größte Gruppe mit etwa 194 000 Sprechern bilden die Cajuns. Sie sind damit auch die größte französischsprachige Minderheit in den USA. Die Cajuns sind die Nachkommen französischer Kolonisten, die im 18. Jahrhundert aus der ehemaligen kanadischen Provinz Akadien vertrieben wurden. Der von dieser Bevölkerungsgruppe gesprochene französische Dialekt, der Cajun-French oder Français Acadien genannt wird, unterscheidet sich vom Standard-Französisch sowohl im Hinblick auf Grammatik, als auch beim Vokabular und der Aussprache zum Teil erheblich. Aufgrund der englischsprachigen Umgebung und dem mangelnden Sprachunterricht hat sich die Schreibweise des Français Acadien im Laufe der Zeit vermehrt anglisiert. Die Sprache der Cajuns hatte über lange Zeit einen schweren Stand. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurden die Sprecher dieses westfranzösischen Dialekts als hinterwäldlerisch verspottet. In Schulen wurde Französisch zu sprechen bis 1974 gar verboten.

Seit 1968 engagiert sich die staatliche Agentur
CODOFIL für den Erhalt und die Förderung der französischen Sprache in Louisiana. So ist das Französische auch bei der jüngeren Generation wieder angekommen.

Einen Artikel bei Spiegel Online zu Cajun Country, Louisiana, finden Sie
hier.

Dienstag, 16. September 2008

Französisch für Profis Teil I – Das Argot

Der Weg zur perfekten französischen Aussprache ist gepflastert mit Stolpersteinen. Von der Aneinanderreihung unzähliger Zischlaute über verschluckte Endungen bis hin zu nicht enden wollenden Satzkonstruktionen - Die Tücken der französischen Sprache bringen so manchen Französischschüler gehörig ins Schwitzen. Nicht selten enden da die ersten Gehversuche in der Sprache unserer Nachbarn mit komplettem Lautsalat.

Für fortgeschrittene Frankophile kann die Ausdrucksform mitunter aber gar nicht knifflig genug sein. Unter ihnen erfreut sich eine sprachliche Spielart großer Beliebtheit, die mit dem Schulfranzösisch nur noch wenig zu tun hat. Das Argot, eine slangähnliche Geheimsprache, entwuchs im Mittelalter dem Milieu von Bettlern und Gaunern und wird heute vor allem von Jugendlichen gesprochen. Eine Variante des Argots ist der Metzger-Jargon Louchébem, dessen Ursprung im 19. Jahrhundert liegt. Im Louchébem wird der erste Konsonant eines Wortes ans Ende verschoben, mit einer beliebigen Nachsilbe ergänzt und der Buchstabe L an den Anfang gesetzt. So wird aus dem „monsieur“ der „lesieum“ und aus dem „fou“ der „loufoque“. Die Schreibweise verändert sich dabei oft gemäß der Lautsprache.

Etwas komplexer und variationsreicher als das Louchébem ist hingegen das Verlan. Als Verlan bezeichnet man eine jugendliche Spielsprache die, ähnlich dem Louchébem, die Wortsilben umkehrt und verschiebt. Verlan selbst ist bereits ein Wortdreher vom eigentlichen Begriff „à l’envers“ für rückwärts. Grundlegend gibt es drei Formeln für die Bildung von Verlan:
  • Die einfache Umkehrung: Das Verb „tomber“ wird zu „béton“.
  • Das Hinzufügen von Lauten: Das Schimpfwort „merde“ wird zu „demeur“.
  • Das Weglassen des letzten Vokals: Der „père“ verliert sein è auf dem Weg zum „reup“.
Den sprachlichen Verdrehungen und Nuancen sind beim Verlan kaum Grenzen gesetzt und finden nicht selten Einzug in die Umgangssprache. So werden die maghrebinischen Einwanderer in Frankreich bereits seit den achtziger Jahren mit dem Verlan-Ausdruck der „Beurs“ (von „Arabes“) bezeichnet.

Eine weitere Geheimsprache im Französischen ist das Javanais. Besonders Kinder und jüngere Teenager machen sich einen Spaß daraus, Worte und ganze Unterhaltungen so zu verfremden, dass sie für Außenstehende nicht mehr zu verstehen sind. Dabei wird die Silbe „av“ einfach zwischen Konsonant und Vokal geschoben. So lässt sich herrlich über Eltern, Lehrer und ähnlich nervende Erwachsene lästern! Welcher Pauker merkt schon, dass man ihn für doof hält, wenn er „Lave pravof est bavêtave!“ hört?

Einen pfiffigen Generator ins Javanais gibt es auf dieser Website.
Ein Wörterbuch mit 18 000 Stichworten aus dem Argot findet sich hier.

Dienstag, 12. August 2008

Die Berliner Schnauze spricht Französisch

Die Franzosen prägten nicht nur nachhaltig die Geschichte Berlins sondern auch den Jargon der Einheimischen, das Berlinerische. Französisch war in den vergangenen Jahrhunderten beim Adel und der bürgerlichen Oberschicht der Stadt die Sprache der Wahl, auch bei Intellektuellen sowie in der Bildung und Diplomatie war das Französische weit verbreitet.

Zudem sorgte die Aufnahme der französischen Hugenotten, die im 17. Jahrhundert vor der Unterdrückung in ihrer Heimat flohen, sowie die Besatzung Preußens durch Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhunderts für einen nachhaltigen Einfluss der französischen Sprache auf die Berliner Mundart.

Nach und nach ließen die Berliner französische Begriffe und Redensarten in den eigenen Jargon mit einfließen. Französisch zu sprechen galt schließlich auch beim einfachen Volk als "chic". Man orientierte sich dabei jedoch lediglich am Klang der französischen Begriffe. Daher ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, welche französische Worte oder Redewendungen in die eigene aufgenommen und auf Berliner Art angepasst wurden.

Hier einige Beispiele zum Französischen im Berlinerischen, wie es auch noch heute bei den "echten" Hauptstadtbewohnern zu hören ist, entnommen aus dem Buch "Französisch im Berliner Jargon" von Ewald Harndt:

Zweemal bin ick mit se ums Karree (carré) jelofen, da hatte ick de Neese pleng (nez, plein=voll).

Sei nicht so etepete (être peut-être = im Zweifel sein) und knall ihm mit Forsche (force=Kraft) eene vor'n Deez (tête=Kopf).


Et is een wahret Jlück, det bei det Unjlück jlücklicherweise keen Maller (malheur) passiert.


Ein kurzer Beitrag dazu bei Wikipedia:
Französisch in der Berliner Mundart