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Donnerstag, 18. November 2010

Expolingua Berlin startet am morgigen Freitag!

Die Expolingua Berlin steht kurz bevor: Die Messe startet morgen, am 19. November, im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin-Mitte. Bis Sonntag, dem 22. November, können sich Besucher im Rahmen des Messeschwerpunkts „Chinesisch“ rund um die chinesische Sprache und Kultur informieren. Zum persönlichen Gespräch vor Ort sind
  • Chinesisches Kulturzentrum Berlin, Deutschland / China
  • Confucius Classroom Munich, Deutschland
  • Confucius Institute at Frankfurt University , Deutschland
  • Confucius Institute at the University of Duesseldorf , Deutschland
  • Confucius Institute at the Free University of Berlin, Deutschland
  • Confucius Institute at the University of Duisburg-Essen, Deutschland
  • Confucius Institute at the University of Freiburg, Deutschland
  • Confucius Institute at the University of Hamburg , Deutschland
  • Confucius Institute at the University of Heidelberg , Deutschland
  • Confucius Institute at the University of Leipzig , Deutschland
  • Confucius Institute at Trier University, Deutschland
  • Confucius Institute in Hannover, Deutschland
  • Confucius Institute Nürnberg at Friedrich-Alexander-University Erlangen-Nürnberg, Deutschland
  • Hanban (Confucius Institute Headquarters), China
  • International House Xi'an, China
  • LSI Landesspracheninstitut Bochum, Deutschland
  • Mandarin Home / Eazy English, China/Indien
Auch das Vortragsprogramm hat Einiges zum Thema zu bieten. In Mini-Sprachkursen können sich die Besucher an drei Tagen in Chinesisch ausprobieren. Darüber hinaus informieren Experten, wie man einfach und schnell Grundkenntnisse in der chinesischen Sprache erwerben kann, was sich hinter den geheimnisvollen Schriftzeichen verbirgt und dass Chinesisch lernen gar nicht so schwer ist. Einen Überblick zu den Beiträgen zur chinesischen Sprache finden Sie hier.

Doch nicht nur die chinesische Sprache ist Thema der Messe. Insgesamt präsentieren sich 182 Aussteller aus 26 Ländern und informieren über verschiedene Möglichkeiten des Fremdsprachenlernens und –lehren. Darunter sind Sprachschulen aus dem In- und Ausland, Sprachreiseveranstalter und Austauschorganisationen sowie Botschaften, Kulturinstitute, Fremdenverkehrszentralen und Verlage. Das Vortragsprogramm bietet rund 100 Beiträge zu den Themen Sprachenlernen und Auslandsaufenthalte. Fremde Sprachen können direkt in Minisprachkursen getestet werden. Ein Highlight bildet außerdem eine Vortragsreihe speziell zum Sprachenlernen für Vorschulkinder.

Alle Aussteller und Programmpunkte sind im Internet zu finden unter www.expolingua.com

Mittwoch, 3. November 2010

Das Shanghai Writing Program

Dieser Artikel erscheint in Medienpartnerschaft mit dem Deutsch-Chinesischen Kulturnetz www.de-cn.net. Dabei geht es um das Shanghai Writing Program 2010. Im Auftrag des Deutsch-Chinesischen Kulturnetzes führte Li Jianming (李健鸣) ein Interview mit Wang Anyi (王安忆), der Vorsitzenden des Shanghaier Schriftstellerverbands.

Die in China bekannte chinesische Schriftstellerin Wang Anyi wurde 1954 in Nanjing geboren und wuchs in Shanghai auf. Ihr Hauptwerk The Song of Everlasting Sorrow wurde bei der 5. Verleihung des Mao-Dun-Literaturpreises ausgezeichnet und später verfilmt. Seit 2001 ist Wang Anyi Vorsitzende des Shanghaier Schriftstellerverbands. Sie war oft zu Gast in Deutschland und hat dort an Lesungen und Diskussionen teilgenommen.

Können Sie uns erzählen, wie dieses Programm entstanden ist?

So ein Programm schwebte mir schon seit geraumer Zeit vor. 1983 hatte ich meine Mutter - die berühmte, bereits verstorbene Schriftstellerin Ru Zhijuan (茹志鹃) - zu einem internationalen Schriftstellerprogramm an der Universität Iowa begleitet, das von Nie Hualing (聂华苓) und ihrem Mann veranstaltet wurde. Das hat mich damals stark inspiriert. Nach und nach hat die Idee, in Shanghai eine ähnliche Veranstaltung auf die Beine zu stellen, dann Gestalt angenommen, doch die Voraussetzungen haben lange nicht gestimmt. Erst als vor drei Jahren das Führungsgremium des Shanghaier Schriftstellerverbands seine aktive Unterstützung zusagte, konnte mein Wunsch realisiert werden. Wir übernehmen für die ausländischen Autoren die Flugtickets, die Unterkunft und – für zwei Monate – die Lebenshaltungskosten, das sind beträchtliche Ausgaben. Freilich sind wir nun in der Lage, diese Kosten voll und ganz tragen.

Was sind die Ziele dieses Programms?
Wir wollen ausländische Autoren nach Shanghai holen, um ihnen Literatur aus Shanghai und China nahezubringen. Natürlich hoffen wir auch, dass sie etwas von unserer Literatur in die Welt tragen.

Und wie läuft das Programm konkret ab?

Das Programm findet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal statt. Im ersten Jahr kamen drei Autoren, im Jahr darauf fünf und nun sind es sieben. Wir haben uns von Anfang an dafür entschieden, die Schriftsteller nicht in Hotels, sondern in chinesischen Wohnvierteln unterzubringen, damit sie ein chinesisches Lebensumfeld kennenlernen können. In den letzten beiden Jahren haben wir durchgängig ein sehr positives Feedback von den ausländischen Autoren erhalten. So haben die Schriftstellerinnen, die im ersten Jahr aus Japan, Kanada und Australien kamen, das Programm nach ihrer Rückkehr von sich aus an andere Schriftsteller weiterempfohlen. Unser Programm wird auch von den chinesischen Konsulaten einiger Länder aktiv unterstützt, unter anderem von denen aus Tschechien, Israel und Schweden.

Die Autoren gestalten ihren Aufenthalt in Shanghai überwiegend selbst, sie müssen lediglich einen Vortrag zu einem von uns vorgegebenen Thema halten und einmal für ein Gespräch mit Studenten der Fudan-Universität zur Verfügung stehen. Im ersten Jahr lautete das Thema „Heimat und Fremde“, im zweiten Jahr „Where do you come from“, es ging also um Heimatliteratur und den Heimatbegriff, und auch darum, das Eigene in Frage zu stellen. In diesem Jahr hingegen lautet das Motto „Stadt und Schreiben“, das berührt vor allem Fragen des Arbeitens und Überlebens von Autoren, die in Städten leben. Denn dieses Jahr findet ja auch die EXPO in China statt, und die steht unter dem Motto „Better City – Better Life“.

Gab es auch Probleme bei der Umsetzung des Programms?


Natürlich. Zunächst bei der Auswahl der Autoren. Unser Projekt ist zwar kein Austauschprogramm, aber wir mussten uns dennoch mit den Kulturinstitutionen anderer Länder in Verbindung setzen, um uns von ihnen Schriftsteller vorschlagen zu lassen. Einige berühmte Schriftsteller lassen sich kaum für eine Einladung gewinnen, denn sie sind furchtbar beschäftigt. Außerdem werden viele Angelegenheiten über Agenten organisiert, was es unmöglich macht, direkten Kontakt mit diesen Autoren aufzunehmen.

Selbstverständlich gibt es auch sprachliche Barrieren, aber die normalen Anforderungen des Alltags, also nach dem Weg zu fragen oder etwas einzukaufen, stellen eigentlich kein Problem dar, denn in Shanghai sprechen viele Leute ein paar Brocken Englisch. Wenn die Autoren Besuche und Besichtigungen machen, an Podiumsdiskussionen teilnehmen oder einen Vortrag halten, stellen wir ihnen stets einen Dolmetscher zur Seite.

Inhaltlich gesehen haben wir in den vergangenen zwei Jahren zu viele touristische Aktivitäten unternommen. Das wollen wir dieses Jahr anders machen. Beispielsweise möchten wir den ausländischen Autoren mehr von den Randgebieten Shanghais zeigen und mit ihnen zum Beispiel Schulen von Wanderarbeiterkindern besuchen, damit sie nicht nur die Entwicklung der Stadt sehen, sondern auch die neuen Probleme, die sich aus dieser Entwicklung ergeben.

Auch die Kommunikation mit ausländischen Kulturinstitutionen kann sich schwierig gestalten, vor allem, wenn es keine regelmäßigen Kontakte gibt.

Welche Auswirkungen hat das Programm in der Gesellschaft?

Einen sehr positiven. Zum einen sind die Studenten der Fudan-Universität äußerst interessiert an den Vorträgen der Schriftsteller und nehmen auch gerne an deren Diskussionsveranstaltungen teil. Aber auch die Shanghaier Autoren profitieren von dem Kontakt mit den ausländischen Schriftstellern. In anderen Ländern gibt es meist keine Schriftstellerorganisationen, und wenn wir ins Ausland reisen, ist es oft sehr schwer, mit echten Schriftstellern zusammenzutreffen. Auch die Shanghaier Medien beteiligen sich aktiv an unserem Programm, so wurde zum Beispiel in der englischen Ausgabe der Shanghai Daily wurde über unsere Aktivitäten berichtet.

Haben Sie neue Pläne für das Programm?

Ja, ich wünsche mir, dass wir in Zukunft den Schwerpunkt auf die Entwicklungsländer legen können und mehr Schriftsteller aus Dritte-Welt-Ländern nach Shanghai einladen.

Sie waren schon in Deutschland, welchen Eindruck haben sie von der deutschen Literatur?

Ich habe zwar keine umfassende kulturelle Bildung genossen, aber die Übersetzungen insbesondere der europäischen Literatur und natürlich auch deutscher Werke haben mich stark beeinflusst. Ich war bereits einige Male zu Besuch in Deutschland, habe auch eine Weile in Bonn gelebt und den dortigen Alltag kennengelernt. Mir ist aufgefallen, dass die Deutschen sehr anti-materialistisch eingestellt sind. Allerdings fand ich das Leben in Deutschland alles in allem etwas dröge.

Eine Frage zum Schluss: Würden Sie uns verraten, woran Sie derzeit arbeiten?

Seit einem halben Jahr schreibe ich an einem neuen Roman. Der Roman spielt in Shanghai und schildert eine Geschichte aus der Ming-Zeit. Ich werde das Buch noch dieses Jahr fertig schreiben.

Wang Anyi, vielen Dank für das Gespräch!

Interview/Text: Li Jianming (李健鸣)
Übersetzung: Julia Buddeberg
Oktober 2010

Links zum Thema
Shanghaier Schriftstellerverband
Tina Uebel Reiseblog
Zum Originaltext

Bildquellen:
Wang Anyi 2005 in Shanghai, Foto: Zhang Peng © ImagineChina
Teilnehmer des „Shanghai Writing Program 2010“ © Schriftstellerverband Shang

Mittwoch, 27. Oktober 2010

10 Fragen an... Chen Danyan

Dieser Artikel erscheint in Medienpartnerschaft mit dem Deutsch-Chinesischen Kulturnetz www.de-cn.net. In der Rubrik „Zehn Fragen an…“ erzählen bekannte Persönlichkeiten des deutschen und chinesischen Kulturlebens über ihre persönliche Verbindung zum jeweils anderen Land. Die Schriftstellerin Chen Danyan erzählt im Interview von ihren Beziehungen zu Deutschland.

Die Schriftstellerin Chen Danyan, Jahrgang
1958, veröffentlichte bereits als Schülerin erste literarische Texte. Von 1978 bis 1982 studierte sie chinesische Literatur an der Eastern China Normal University und arbeitete nach ihrem Abschluss als Redakteurin des Children's Epoch Magazine.

Chen Danyan ist eine der wenigen chinesischen Schriftsteller/innen, die sich vor allem mit Jugendlichen und ihrer Gefühlswelt beschäftigt. Ihre Geschichten und Romane sind in China vielfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet worden. Großen Erfolg hatte die deutsche Übersetzung ihres Buches über die Kindheit eines Mädchens in Shanghai während der Kulturrevolution, welches 1995 unter dem Titel Neun Leben: Eine Kindheit in Shanghai in einer Übersetzung von Barbara Wang erschien. Es erhielt mehrere Preise in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie 1997 auch den UNESCO-Preis für Kinder- und Jugendliteratur im Dienst der Toleranz.

Ein weiteres wichtiges Thema für Chen Danyan ist das Reisen. Ihr ausgeprägtes Fernweh führte sie oft nach Europa – 2001 zum Beispiel als Gast des internationalen literaturfestivals berlin – brachte sie aber auch zu einer intensiven Beschäftigung mit ihrer Heimatstadt Shanghai und deren europäischen Einflüssen. Im September 2010 stellte die Schriftstellerin auf Einladung des Konfuzius-Instituts Hamburg im Rahmen der CHINA TIME ihr neues Buch über die Geschichte des Shanghaier Bunds mit seiner Kolonialarchitektur vor. Ein weiterer Termin folgt am 9. November 2010: Chen Danyan ist für die Veranstaltungsreihe China Begegnungen 2010 nach Oldenburg eingeladen.


1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Mit der Fertigstellung eines Reisebuchs, in dem ich zusammen mit meiner Tochter die Notizen von unseren gemeinsamen Reisen verarbeite. Angefangen haben wir mit den Aufzeichnungen, als sie acht Jahre alt war und sie dann aufgehoben, bis in diesem Jahr der Uniabschluss meiner Tochter bevorstand und wir für die Zeit danach über ein Brückenjahr beratschlagten. Da wurde uns bewusst, dass das Reisen sie bei ihrem Heranwachsen begleitet hatte. Und so haben wir den Sommer über die Reisenotizen geordnet und sind nun dabei, ein Buch daraus zu machen; auch um Eltern, die mit ihren Kindern heutzutage auf Reisen gehen, an unseren Erfahrungen aus all diesen Jahren teilhaben zu lassen.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Deutschland?

Im Frühling 1992 kam ich zum ersten Mal nach Deutschland, als Gastwissenschaftlerin der Internationalen Jugendbibliothek München. Damals reiste ich durch Deutschland, machte Bekanntschaft mit der deutschen Kultur und schloss Freundschaften, die bis heute andauern.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Deutschland ist das erste europäische Land, das ich bereist habe und mit dem ich intensiv in Berührung kam. Dass mein Roman Neun Leben auf Deutsch veröffentlicht wurde, war nicht zuletzt ein Verdienst der deutschen Übersetzerin. Für die deutsche Ausgabe dieses Buches wurde mir ein UNESCO-Literaturpreis verliehen, und in drei deutschsprachigen Ländern erhielt ich dafür erste und zweite Preise. Das hat mich sehr ermutigt.

Durch die Erfahrungen, die ich beim Leben und Arbeiten in Deutschland gemacht habe, wurde mir bewusst, dass ich ein Mensch mit großem Fernweh bin. Also begann ich, jedes Jahr eine Zeitlang in der Welt herumzureisen, wobei ich meistens europäische Länder besuchte. Dadurch wurde mir klar, dass für meine Generation, die ihre Jugend in einer von der Außenwelt isolierten Gesellschaft verbracht hat, die europäische Kultur einen ganz nachhaltigen und weitreichenden Einfluss hatte, sie hat uns tief geprägt, das macht diese Generation geradezu einzigartig.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?

Bei einem Leseabend in einer Freiburger Buchhandlung fragte mich einmal ein Leser, warum man in meinen Werken so starke Anklänge an die russische Literatur spüren könne. Damals hatte ich das Gefühl, dass dieser deutsche Leser meine Bücher wirklich verstanden und die Stimmung wahrgenommen hatte, die meine persönlichen Erfahrungen und die Lesevorlieben meiner Jugend in meinen Werken hinterlassen haben. Die selbe Frage hat mir bisher nur einer meiner Kommilitonen an der Universität, der später der Lektor meiner Bücher wurde, gestellt. An jenem Abend merkte ich, dass auch deutsche Leser mir sehr nahe sein können.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?

Als ich mich in Berlin mit meinem Freund gestritten hatte und mich deswegen alleine auf den Heimweg machte. Ich nahm den falschen Ausgang in der U-Bahn und verirrte mich prompt. Damals habe ich mich sehr einsam gefühlt.

6) Haben Sie eine deutsche Lieblingsspeise?

Kalte Frikadellen mit Schwarzbrot.

7) Was ist für Sie „typisch deutsch“?

Die so eigenwilligen und ernsten Denkfalten in der Region zwischen den Augenbrauen, dieser ernste und grüblerische Gesichtsausdruck.

8) Welche Kulturleistung aus Deutschland beeindruckt Sie am meisten?

Die ernsten Themen in der Literatur.

9) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Mit einem Kellner in einem Kaffehaus in Berlin-Mitte. Dort habe ich an meinen Büchern geschrieben, Freunde getroffen, gegessen, mir Notizen gemacht, Journalisten Interviews gegeben und meine Gefühle und Gedanken geordnet. Kurzum, für mich war die Zeit, die ich dort reichlich verbracht habe, sehr sinnvoll. Die Geräuschkulisse in diesen Kaffehäusern ist mir vertraut, und ich liebe ihre Kartoffelsuppe. Ich habe mir immer ausgemalt, selbst als Bedienung zu arbeiten, eine lange, schwarze Kellnerschürze zu tragen, lässig und flott zugleich. In diesem Job wäre ich ganz zuhause.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in China übernehmen?

Dass man abends auch mal etwas ganz Einfaches essen kann.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Underground ist kein Tourismusunternehmen

Dieser Artikel erscheint in Medienpartnerschaft mit dem Deutsch-Chinesischen Kulturnetz www.de-cn.net. Martina Bölck berichtet von Filmschaffenden und der Vielfältigkeit der Independentszene in China.

Eines Tages erhielt der Kieler Independentfilmer Karsten Weber eine Email aus China. Sie kam von Ni Kun (倪昆), einem jungen Kurator der freien Filmszene, er lud Weber und seine Filmgruppe Chaos nach China ein. 2006 zogen sie als Blitzfilm zum ersten Mal mit einer bunten Mischung deutscher Filme durch Universitäten und Festivals. Weitere Reisen folgten. Die deutschen Filmemacher, die bis dahin nichts mit China zu tun hatten, waren überrascht von der Vielfältigkeit der Independentszene, vom Interesse des Publikums und von den Freiräumen jenseits der staatlichen Zensur. Ihr Chinabild geriet ins Wanken.

Diese Erfahrung wollte Weber weitergeben. Er lud Ni Kun und einige Filmemacher zum Gegenbesuch ein. In Hamburg war das Festival China Underground – Der kritische Blick von unten vom 16. bis 19. September im Rahmen der China Time 2010 zu sehen. Weitere Stationen sind Kiel, Husum und Heidelberg.

„China ist kein monolithischer Block“, betont Weber immer wieder. „Was wir in den Medien davon mitkriegen, ist nur ein kleiner Ausschnitt.“ Er möchte Dinge zeigen, „die nicht in dieses Bild passen“. Das Programm ist bunt gemischt: Spiel- und Dokumentarfilme, Kurzfilme, Fernsehdokumentationen und als Gag ein Klassiker von 1961, Die rote Frauenarmee, verfremdet durch elektronische Live-Musik. Der rote Faden des Festivals ist, chinesische Produktionen zu zeigen, die Ausdruck der Wechselwirkung zwischen Underground, offiziellen Medien und staatlicher Politik sind.

Zusammenwirken von Medien und Gesellschaft

Auch die staatlichen chinesischen Medien sind – schon aus ökonomischen Gründen – auf neue Themen angewiesen. Manche Fernsehanstalten drücken Laien Kameras in die Hand, diese durchstreifen dann die Stadt auf der Suche nach Sensationen, die sie später vielleicht dem Sender verkaufen können. Der Eröffnungsfilm Disorder von Huang Weikai (黄伟凯) zeigt einen Zusammenschnitt solcher Amateurfilme. Man sieht Autounfälle, überschwemmte Straßen, verhaftete Verbrecher, Kakerlaken in Restaurants ... Diverse Ordnungshüter versuchen dem Chaos Herr zu werden, doch man hat nicht den Eindruck, dass es ihnen gelingt.

Es gebe zwar die staatliche Zensurbehörde, antwortet die Filmemacherin Wang Bang (王梆) auf die Frage nach Zensur, aber viele Independentfilme würden dort gar nicht erst vorgelegt. Selbst Filme, die durch die Zensur fielen, könnten auf unabhängigen Festivals und an Universitäten gezeigt werden. Sie hat sich mit University City Savages an ein heikles Thema gewagt: Der Film dokumentiert den Kampf von Bauern gegen die Zwangsenteignung und den Abriss ihres Dorfes, das einem Universitätsgelände weichen soll.

Welchen Einfluss die Medien auf solche Geschichten haben können, zeigt der Film The Nail von Jiang Zhi (蒋志): In der Innenstadt von Chongqing wehrt sich ein Ehepaar gegen den Abriss seines Hauses ohne angemessene Entschädigung. Das Bild vom Haus, einsam inmitten einer Baugrube, geht durch die Medien, die Hausbesitzer werden zu Stars und erhalten soviel Zuspruch aus der Bevölkerung, dass die Baufirma schließlich einlenken muss.

Andere Filme zeigen Schicksale hinter den Nachrichten: To Live is Better than to Die von Chen Weijun (陈为军) wurde in einem Dorf gedreht, in dem sich viele Bewohner, die durch Blutspenden etwas Geld verdienen wollten, durch unzureichende Hygienemaßnahmen mit HIV ansteckten. Der Film begleitet eine Familie, in der bis auf die älteste Tochter alle infiziert sind. Die Mutter ist bereits krank, sie stirbt noch während der Dreharbeiten. Der Vater kümmert sich liebevoll um die drei kleinen Kinder und bemüht sich, das alltägliche Leben aufrecht zu erhalten. Man sieht seine Freude über die ersten Schritte des kleinen Sohnes, wohl wissend, dass dieser das vierte Lebensjahr kaum erreichen wird.

Nach dem Erdbeben im Mai 2008 in Sichuan wurden schwere Vorwürfe gegen Kader erhoben, die an Baumaterialien für Schulen gespart und dadurch den Tod von tausenden Kindern verursacht haben sollen. Der Film Mayday von Ma Zhandong (马 占冬) zeigt ein Ehepaar, das seinen einzigen Sohn beim Einsturz einer Schule verlor. Nebenbei erfährt man viel darüber, mit welch enormem Improvisationstalent Menschen nach einer Katastrophe ihren Alltag wieder aufbauen.

Chinabilder zwischen Multikulti und sozialer Tristesse

Aus dem Rahmen fällt der Spielfilm The Rat Trap and the Rose von Wang Bang (王梆). In ruhigen Bildern lässt sie ein arriviertes französisches Paar mit Eheproblemen, ihr chinesisches Hausmädchen, das von einem Leben in den USA träumt, und einen illegalen Einwanderer aus dem Kongo aufeinander treffen. Ein neues multikulturelles China, in dem Ausländer nicht automatisch reich sind.

Weber will zeigen, wie kritisch und offen heutzutage in China Filme gemacht werden, „was für aufgeweckte und mutige Menschen es dort gibt“. Er hat ständig das Gefühl, sich rechtfertigen und erklären zu müssen. „Manche Leute reagieren richtig sauer, wenn man ihnen ihr Chinabild nimmt.“

Und doch ist das Bild, das die meisten Filme vermitteln, so neu nicht. Es ist ein China im Umbruch, mit einer schwierigen Vergangenheit und sozialen Problemen, desolat, mit Hochhäusern, Autobahnbrücken und entwurzelten Menschen. Bilder vom tristen Großstadtleben und den Verlierern des Aufschwungs kamen schon Anfang der Nuller Jahre in die deutschen Kinos, als eine neue Generation von Regisseuren damit die Festivals im Ausland eroberte.

„Warum zeigen Sie so viele negative Dinge von China?“, fragt eine Chinesin aus dem Publikum. „Weil sie wahr sind“, antwortet Ni Kun (倪昆). „Es gibt auch positive Dinge, die wahr sind“, versetzt sie.

Am Ende hat man den Eindruck, dass es in China eine interessante Gegenkultur gibt. Aber das China, von dem sie erzählen, ist nicht gerade einladend. Underground ist eben kein Tourismusunternehmen.

„Sie dürfen nicht vergessen“, sagt Ma Zhandong (马占冬), „dass die Filme, die Sie hier sehen, nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit darstellen. Wenn Sie China wirklich kennen lernen wollen, sollten Sie hinfahren.“

Blitzfilm jedenfalls wird schon im November wieder nach China reisen, mit vielen neuen Filmen im Gepäck, um das Deutschlandbild der Chinesen durcheinander zu bringen.

Text: Martina Bölck
Autorin, Hamburg
Oktober 2010
Links zum Thema
Webseite BLITZFILM
Zum Originaltext

Bildquellen:
Ausschnitt Plakat „China Underground“ © Blitzfilm
Im Foyer des Kinos: Von links nach rechts: Cheng Le (陈乐), Karsten Weber, Martina Stache, Sun Xiao Yun (孙晓筠), Hu Qing (胡晴), Ma Zhandong (马占冬), Ni Kun (倪昆), Foto: Martina Bölck
Plakat „China Underground“ © Blitzfilm

Montag, 18. Oktober 2010

„China: Ein Land mit Tausend Facetten“ – Olympiasiegerin Britta Heidemann im Interview

Die diesjährige Kulturbotschafterin Britta Heidemann erzählt im Interview mit der Expolingua Berlin von ihren Erfahrungen mit der chinesischen Kultur, was China so faszinierend macht und welche Hürden beim Erlernen der chinesischen Sprache zu meistern sind.

Chinesisch ist Gastsprache auf der diesjährigen Expolingua Berlin 2010. Frau Heidemann, Sie waren schon als Jugendliche für einen Schulaufenthalt in China, studierten Regionalwissenschaften (China) und sind auch sportlich im Land der Mitte unterwegs. Was hat Sie damals an China fasziniert und was finden Sie heute noch beeindruckend?

China ist ein Land mit tausend Facetten – wer in China rumreist, findet heraus, dass es nicht nur viele unterschiedliche topographische und klimatische Begebenheiten gibt, sondern auch überall anderes Essen, andere Lebensstile und Lebensbedingungen, andere Menschen. Besonders beeindruckt hat uns neben der faszinierenden Sprache diese alte Kultur, die wie selbstverständlich auch heute noch den Kindern vermittelt wird.

Wie würden Sie die chinesische Sprache beschreiben? Was ist das Besondere am Chinesischen?

Beim Lesen chinesischer Texte muss ich immer an Kreuzworträtsel denken. Da es keine Leerzeichen gibt, muss man selber herausfinden, wo ein Wort endet und das nächste beginnt. Die Sprache fand ich schon immer besonders melodisch, mir gefallen die verschiedenen Tonhöhen. Gut für uns Deutschen beim Lernen des Chinesischen ist, dass uns die Aussprache ziemlich gut liegt, auch wenn man das nicht vermuten mag.

Als Sportlerin reisen Sie sehr viel, sind in den unterschiedlichsten Ländern unterwegs und lernen Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen kennen. Wie schätzen Sie die Bedeutung von Sprachkenntnissen ein?

Für mich ist die Sprache die Basis für jegliche Kommunikation. Auch unter uns Sportlern haben wir nur eine Chance zu erfahren, wie der Alltag einer russischen oder chinesischen Sportlerin aussieht, wenn diese auch etwas Englisch sprechen können. Sonst kann man ja nichts von dem anderen erfahren, was er macht, was er denkt. Zum Glück konnte ich durch das Chinesisch früh mit meinen chinesischen Kolleginnen sprechen und habe so einen Einblick in das chinesische Denken bekommen. Insgesamt bringen Sprachkenntnisse auch den Vorteil, dass man mehr Vertrauen entgegengebracht bekommt und man anfängliche Barrieren somit überspringen kann.

Wie lernen Sie selbst Sprachen? Haben Sie Empfehlungen für unsere Besucher?

Ich schaue mir immer gerne die Grammatik an, sie ist das Gerüst einer jeden Sprache. Wenn ich die verstanden habe, muss man den Rest nur mit Wörtern auffüllen. Das hat bisher sehr gut funktioniert. Ansonsten: Reden, reden, reden.

Kann der Sport als Brückenbauer zwischen verschiedenen Kulturen fungieren?


Sport verbindet verschiedene Völker im übergeordneten Sinne auf eine ganz besondere Art und Weise. Im Gefecht oder auf dem Spielfeld zählen nur die sportlichen Regeln, da gibt es keine politischen, religiösen oder kulturellen Barrieren. Sport ist keine Frage der Nationalität, und das ist etwas Wunderbares.

Frau Heidemann, vielen Dank für dieses Interview


Bildquelle: Ulrich Hartmann

Donnerstag, 14. Oktober 2010

China hautnah, Teil II – Sprache und Kultur erleben

„Durch jede neue Erfahrung, die ich in China mache wächst meine Faszination für dieses Land und seine Sprache“. Im ersten Teil des Interviews mit der Studentin Pilar Czoske erfuhren wir mehr über die Hintergründe ihres Aufenthalts im Land der Mitte. Heute erzählt Pilar von ihren Erfahrungen mit der chinesischen Sprache.

Was macht China in ihren Augen so besonders?

Nach und nach konnte ich in die Kultur und Sprache Chinas eintauchen. Das beginnt damit, den Alltag, die Essensgewohnheiten und Familienwerte kennen zu lernen und mitzuerleben. Weiter geht es mit der chinesischen Sprache: das Erfassen der komplexen Schriftzeichenwelt und dem aktiven Erlernen der Sprache durch hören und sprechen. Aber auch die Kontraste sind es, die faszinieren – von sehr modernen Bauten, einem nahezu futuristischem Stadtbild bis hin zu kleinen Seitengassen mit seinen Düften der Straßenküchen, Wäscheleinen, Handwerkslädchen sowie Kinderstimmen und alte Leute, die sich um einen Tisch gesellen und Brettspiele spielen.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der chinesischen Sprache?

Ich glaube, wenn man Neugier und Freude mitbringt, die Welt der Schriftzeichen zu erkunden, ist das Chinesisch zumindest immer spannend und eine große Herausforderung. Meine persönlichen Erfahrungen sind, dass man viel Ausdauer und Geduld haben sollte, um diese Sprache Schritt für Schritt zu erlernen. Vor allem darf man nicht die Erwartungen an sich selbst stellen, Chinesisch nach einem Jahr gut sprechen zu können. Da ist das Verstehen, das Sprechen und schließlich Schreiben und Lesen - alle diese Bereiche sind auf verschiedene Weise zu erlernen. Legt man den Schwerpunkt beispielsweise nur auf das Hören und Sprechen, bedeutet dies nicht, dass man auch Chinesisch schreiben kann. Legt man hingegen den Schwerpunkt auf das Erlernen der Schriftzeichen und Satzstrukturen, bedeutet dies wiederum nicht, dass man sich im Alltag unterhalten kann.

Was fällt Ihnen leicht beim Gebrauch der chinesischen Sprache? Was ist eher schwierig?

Wenn man sein Hörverständnis schult, hat man schon viel gewonnen. Um die Sprache aber wirklich zu erlernen und die chinesische Kultur „umfassender“ kennenzulernen, ist es jedoch meiner Meinung nach am wichtigsten, Schreiben und Lesen zu können. Dann öffnen sich wieder viele Türen, um China und seine Denkweisen zu verstehen oder einfach auch nur anders wahrzunehmen. Trotzdem finde ich, dass für mich die Zeichenwelt die größte zu bewältigende Aufgabe darstellt. Oft vergesse ich wieder Zeichen oder die verschiedenen Kombinationen ergeben wieder einen neuen Sinn, den man erst im Zusammenhang des ganzen Satzes versteht. Das ist kompliziert und manchmal auch anstrengend.

Donnerstag, 30. September 2010

Das Land der Mitte entdecken

Kunstvolle Schriftzeichen, eine bezaubernde Tonaliät sowie eine der reichsten und längsten Literaturtraditionen der Welt - die chinesische Sprache fasziniert. Die Expolingua Berlin präsentiert in diesem Jahr Chinesisch als Gastsprache. Vorab informieren wir Sie rund um die chinesische Sprache und Kultur hier auf diesem Blog. Vom 19. bis 21. November können Sie direkt vor Ort mehr über die chinesische Sprache erfahren, in Mini-Sprachkursen erste Grundkenntnisse erwerben und sich in der chinesischen Kalligraphie ausprobieren.

In den nächsten Wochen erwarten Sie Interview, Texte und Hintergrundinformationen zum Auslandsaufenthalt im Land der Mitte, chinesische Schriftzeichen, Land und Leute sowie Interkulturelles.

Vorab erste Links und Hinweise zur Sprache und Kultur:

Die Organisation Hanban, Träger der Konfuzius-Institute in aller Welt, ist Partner der Expolingua Berlin und informiert die Besucher über die chinesische Sprache und Kultur. Die Konfuzius-Institute bieten neben Sprachkursen für Anfänger und Fortgeschrittene auch kulturelle Veranstaltungen sowie Sprachtests und -abschlüsse in der chinesischen Sprache. Neben Hanban ist auf der Expolingua Berlin das Chinesische Kulturinstitut Berlin vertreten, das sich ebenfalls für die Förderung der chinesischen Sprache und Kultur in Deutschland einsetzt.

Die chinesische Sprache
Der Fachverband Chinesisch gibt in seiner Linksammlung einen ausführlichen Überblick zur chinesischen Sprache
www.fachverband-chinesisch.de

Languages of China - Informationen zur chinesischen Sprache sowie ein umfangreiches Wörterbuch inkl. chinesischer Dialekte bietet diese Seite
www.chinalanguage.com/dictionaries/?pageID=Home

Das Online-Wörterbuch HanDeDict für Chinesisch-Deutsch und Deutsch-Chinesisch mit Übersetzungs- und Vokabellistenfunktion, HSK-Vokabelkarten und zahlreichen weiteren Features
www.chinaboard.de/chinesisch_deutsch.php

Eine Übersicht über Institute, an denen Sinologie studiert werden kann und weitere Links rund ums Chinesisch
www.uni-marburg.de/fb06/sinologie/links/linksammlung

Ausführlich kommentierte und regelmäßig aktualisierte Linksammlung zu China und sinologischen Themen mit einem ausführlichen Inhaltsverzeichnis
www.sino.uni-heidelberg.de/igcs/

Die China-Seiten des ZDFs
www.zdf.de/ZDFde/inhalt/22/0,1872,3902582, 00.html

Donnerstag, 19. November 2009

Expolingua Berlin startet am Freitag!

Bald geht’s los – die Expolingua Berlin startet diesen Freitag, dem 20. November, im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin-Mitte. Bis Sonntag, dem 22. November, können sich Besucher im Rahmen des Messeschwerpunkts „Dolmetschen und Übersetzen“ rund um Sprachberufe informieren. Zum persönlichen Gespräch vor Ort sind unter anderem die Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Union (EU) sowie der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ). Auch das Vortragsprogramm hat Einiges zum Thema zu bieten. Experten erläutern unter anderem Ausbildungswege zum Dolmetscher und Übersetzer sowie Karrieremöglichkeiten. Einen Überblick zu den Beiträgen finden Sie hier (PDF).

Doch nicht nur Sprachberufe sind Thema der Messe. Insgesamt präsentieren sich über 200 Aussteller aus mehr als 30 Ländern und informieren über verschiedene Möglichkeiten des Fremdsprachenlernens und –lehren. Darunter sind Sprachschulen aus dem In- und Ausland, Sprachreiseveranstalter und Austauschorganisationen sowie Botschaften, Kulturinstitute, Fremdenverkehrszentralen und Verlage. Das Vortragsprogramm bietet über 100 Beiträge zu den Themen Sprachenlernen und Auslandsaufenthalte. Fremde Sprachen können direkt in Minisprachkursen getestet werden. Ein Highlight bildet außerdem eine Vortragsreihe speziell zum Sprachenlernen für Vorschulkinder.

Alle Aussteller und Programmpunkte sind im Internet zu finden unter www.expolingua.com

Mittwoch, 19. November 2008

Au revoir! - Expolingua Berlin erfolgreich beendet




Die Expolingua Berlin ist am Sonntag, den 16. November, erfolgreich zu Ende gegangen. Auf der Sprachenmesse präsentierten sich in diesem Jahr 191 Aussteller aus 33 Ländern. Damit waren mehr Länder als je zuvor auf der Messe vertreten. Auch bei den Besucherzahlen konnte eine positive Bilanz gezogen werden: 14 858 Interessierte kamen nach Berlin.

Ebenso fanden die 100 Beiträge des Vortragsprogramm mit 3767 Besuchern großen Zuspruch. Publikumsmagnet waren die zahlreichen Minisprachkurse, in denen die Besucher Sprachen wie Arabisch, Finnisch, Französisch, Japanisch und weitere ausprobieren konnten.

Die nächste Expolingua Berlin findet vom 20. bis 22. November 2009 wieder im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin statt.

Infos dazu unter: www.expolingua.com

Weitere Impressionen von der Expolingua Berlin 2008 finden sich in unserer Bildergalerie.

Mittwoch, 12. November 2008

Expolingua spricht Französisch – Die Gastsprache in Aktion

Der Countdown läuft – Bereits morgen startet die Expolingua, internationale Messe für Sprachen und Kulturen in ihre 21.Auflage, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Französisch. Neben verschiedenen Ausstellern aus dem frankophonen Sprachraum wird der Gastsprache vor allem im begleitenden Vortrags- und Kulturprogramm ein Sonderplatz eingeräumt.

Gleich am Freitag geht’s los: Zum Auftakt stellt das Informations- und Dokumentationszentrum der französischen Botschaft (CIDU) Schülern und Studenten die Möglichkeiten eines Auslandsstudiums in Frankreich vor und gibt hilfreiche Tipps zur Organisation.

Im Anschluss präsentiert sich das Deutsch-Französische Jugendwerk in zwei Vorträgen: Mit einem Erfahrungsbericht aus erster Hand können die Zuhörer das DFJW-Programm Sauzay im ersten Vortrag näher kennen lernen. Anschließend wird ein umfassender Überblick über alle schulischen und außerschulischen Sprachprogramme des DFJW gegeben.

Der letzte Vortrag mit Französischbezug am ersten Messetag widmet sich den Chancen und Risiken der beruflichen Mobilität in Deutschland und Frankreich. Die zweisprachige Präsentation der RESPEA Mobilitätsagentur zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der deutsch-französischen Arbeitssuche auf und vermittelt nützliche Strategien und Informationen für einen beruflichen Senkrechtstart im Nachbarland.

Wer nach diesen Vorträgen auf den Geschmack gekommen ist, kann sich am Freitag Nachmittag sogleich in einem Minisprachkurs an der neuen Lieblingssprache versuchen.

Am Samstagnachmittag stellt das Institut Français de Berlin in zwei Vorträgen ihr vielfältiges Angebot rund um die französische Sprache und Kultur einerseits, und die Vorzüge des international anerkannten Sprachdiploms DELF andererseits vor.

Einen interessanten Einblick in die französische Phonetik gewährt die dritte Präsentation am Samstag. Der auf Französisch gehaltene Crashkurs der renommierten Pariser Universität Sorbonne Nouvelle vermittelt Grundlagen und neue Methodiken in der französischen Sprachausbildung.

Am Sonntag, dem letzten Messetag, kommt die Senatskanzlei Berlin zu Wort. Ihr Vortrag zur deutsch-französischen Bildungs- und Kulturzusammenarbeit veranschaulicht den Wirkungsbereich und des Bevollmächtigten für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit – ein Amt, das derzeit vom regierenden Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit vertreten wird.

Das binationale Ausbildungsprogramm zum Fremdsprachenassistenten ist Thema des zweisprachigen Vortrages des CIEP (Centre international d’études pédagogiques).

Den Abschluss der Sondervorträge zur Gastsprache Französisch bildet die Präsentation von Ludolangue am Sonntag Nachmittag. Der französischsprachige Vortrag stellt die spielerischen Sprachlernmethoden des Vereins vor.

Direkt im Anschluss an die Sonderpräsentation beginnt im Rahmen des Kulturprogramms die Vorführung des Filmes Ensemble c’est tout (Zusammen ist man weniger allein). Der von Kritikern hoch gelobte Liebesfilm mit der bezaubernden Audrey Tautou in der Hauptrolle wird im französischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Im Anschluss an den Film und als Abschluss des französischen Kulturprogramms wird der in Paris lebende Autor und Illustrator Chen Jiang Hong einen Einblick in seine international prämierten Werke geben. Der chinesischstämmige Wahlfranzose begeistert mit seinen Büchern rund um chinesische Mythen und Legenden ein weltweites Publikum. Auf die Lesung des, u.a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Künstlers folgt eine exklusive Signierstunde.


Neugierig geworden? Die offizielle Webseite der Expolingua bietet alle Informationen zur Messe und dem begleitenden Vortrags- und Kulturprogramm - nicht nur zum Thema Französisch: www.expolingua.com

Eine komplette Übersicht aller Präsentationen im Rahmen des Vortragsprogramms gibt es hier.

Das Kulturprogramm am Sonntag ist auf dieser Seite zusammengestellt.

Eine Übersicht aller 190 Aussteller aus 33 Ländern ist im Ausstellerverzeichnis der Expolingua zu finden.

Freitag, 7. November 2008

Film ab! - Das französische Kino

Die Filmkunst in Frankreich kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Als Wiege des Kinos haben französische Filmschaffende dem Medium Film nicht nur einen weltweiten Siegeszug verschafft. Neue Stilrichtungen und unkonventionelle Erzählweisen wirkten ebenso maßgebend wie stilbildend in der internationalen Filmgeschichte.

Die Brüder Auguste und Louis Lumière gelten als die Erfinder des Kinofilms. Im Jahr 1895 stellten sie mit ihrem innovativen Cinématographe erstmals bewegte Bilder einem ausgewählten Publikum vor. Ende des selben Jahres fand in Paris die erste öffentliche Filmvorführung statt. Das Debütwerk mit dem klingenden Namen L'Arrivée d'un train en gare de La Ciotat (Ankunft eines Zuges im Bahnhof von La Ciotat) lockte 35 zahlende Zuschauer in den Vorführsaal – und jagte sie im Angesicht eines heranrasenden Zuges panisch von den Sitzen. Die Kinoindustrie entwickelte sich nach anfänglich sporadischen Kurzfilmvorführungen rasant. Bereits nach kurzer Zeit zogen die überwiegend im dokumentarischen Stil gefilmten Produktionen tausende von Menschen regelmäßig in die Lichtspielhäuser. Dank der fehlenden Sprachbarriere von Stummfilmen gelang der weltweite Export französischer Filme. In der Frühphase dieser Epoche kamen schätzungsweise 80 Prozent aller Filme aus Frankreich.

Vor allem seit dem Ende der fünfziger Jahre war das französische Kino stilprägend für den internationalen Film. Als Wegbereiter der Nouvelle Vague durchbrachen Jean-Luc Godard, Claude Chabrol und Francois Truffaut mit ihren Werken die biedere Langeweile kommerzieller Studiofilme. Kantige Antihelden, ungewöhnliche Erzählstrukturen und realistische Filmtechniken ersetzten die distanzierte Künstlichkeit vorheriger Kinoproduktionen. Mit Filmen wie À bout de souffle (Außer Atem), Jules et Jim (Jules und Jim) und Le beau Serge (Die Enttäuschten) bescherten die Meisterregisseure nicht nur dem französischen Kino einen ungeahnten Erfolg. Auch damals noch unbekannte Jungstars wie Jean-Paul Belmondo und Jeanne Moreau wurden im Zuge des Neuen Französischen Films zu weltbekannten Schauspiellegenden.

Das Konzept der Nouvelle Vague hielt sich in seiner ursprünglichen Form nur bis Mitte der sechziger Jahre. In den folgenden Jahren wurde es ruhig um den französischen Film. In Deutschland ist diese Phase am ehesten durch zahlreiche Klamaukfilme von und mit Louis de Funés bekannt. Von der Balduin-Reihe über die Fantômas-Filme bis zum legendären L’aile ou la cuisse (Brust oder Keule) präsentierte der kleine Mustercholeriker massentaugliche Unterhaltung.

Eine neue Welle des französischen Kinos brachte in den achtziger Jahren moderne Klassiker wie Le grand bleu (Im Rausch der Tiefe), 37°2 le matin (Betty Blue - 37,2 Grad am Morgen) und Les Amants du Pont-Neuf (Die Liebenden von Pont-Neuf) hervor. Doch die Übermacht Hollywoods bekam auch der französische Film nachhaltig zu spüren. So ging der Anteil der französischen Produktionen in der Zuschauergunst vor allem in den achtziger und neunziger Jahren stetig zurück. Als Höhepunkte dieser Periode gelten insbesondere der Überraschungserfolg La cage aux folles (Ein Käfig voller Narren) und der alterslose Kultfilm aller Teenies La boum (La Boum - die Fete). In den neunziger Jahren hinterließen vor allem Delicatessen, La haine (Hass) und Le cinquième élément (Das fünfte Element) bleibenden Eindruck bei den Zuschauern.

Das französische Kino hat in den letzten Jahren mit weltweiten Erfolgen wie Le fabuleux destin d'Amélie Poulain (Die fabelhafte Welt der Amélie), dem Drama Les choristes (Die Kinder des Monsieur Mathieu), der oscarprämierten Piaf-Biografie La môme (La vie en rose) und dem Studentenfilm L’auberge espagnole einen erneuten Aufschwung erfahren. Im internationalen Ansehen gelten französische Produktionen nach wie vor als qualitativ hochwertig und richtungsweisend. Dank einer jahrzehntelangen filmischen Erzähltradition, talentierter Jungschauspieler, unkonventioneller Regisseure und einem besonderen Sinn für Ästhetik und Avantgarde wird das französische Kino auch in Zukunft sein Publikum zu erobern wissen, selbst über die Grenzen Frankreichs hinaus.

Einen kleinen Überblick über die französische Filmgeschichte bis zu den siebziger Jahren gibt die Seite von 35 Millimeter.

Die Website der Rélations Franco-Allemandes hat zum Thema Französischer Film eine ausgewählte Linksammlung für Interessierte zusammengestellt.

Dienstag, 26. August 2008

Woher kommt das Croissant?

Als fester Bestandteil der französischen Lebensart und Esskultur gilt das Croissant. Doch ist das Croissant wirklich „typisch französisch“?

Die Ursprünge des Croissants sollen in Österreich liegen. Das Gebäck aus Hefeteig und viel Butter verdankt einer Legende zufolge seine Entstehung der Belagerung Wiens durch die Türken im 17. Jahrhundert. Zu nachtschlafender Zeit hatten die osmanischen Eroberer versucht, über einen Tunnel in die Stadt einzudringen. Die Bäcker, wie immer schon zur frühen Stunde wach und bei der Arbeit, bemerkten die Eindringlinge jedoch rechtzeitig und schlugen Alarm. Zur Feier des Tages wurde der türkische Halbmond in Teigform hergestellt.

Den Weg nach Frankreich fand das Croissant dann schließlich knapp 100 Jahre später durch die neue Gemahlin des französischen Königs Ludwig XVI. Seine Angetraute Marie-Antoinette brachte bei ihrem Umzug 1770 von Österreich nach Paris ihren ganz persönlichen Bäcker mit, damit sie auch in der Fremde nicht auf ihre geliebten Süßspeisen verzichten musste. Ihr Leibbäcker versorgte Ihre königliche Hoheit dann auch weiterhin mit „Kipferln“, die schließlich unter dem Namen Croissant (von „lune croissante“ = zunehmender Mond) in ganz Frankreich einen Siegeszug antraten. Zwar landete Marie-Antoinette im Laufe der Französischen Revolution auf dem Schafott, ihre Vorliebe für den buttrigen Blätterteig in Hörnchenform konnte sich beim Volk jedoch durchsetzen.

Die Geschichte des Croissants basiert zwar hauptsächlich auf Legenden und überlässt vieles der Spekulation. Ohne Zweifel zählt das Gebäck aber heute zu den nationalen Symbolen der Franzosen und steht in einer Reihe mit dem Eiffelturm, rotem Wein und typischen Baguette. Und ein echt französisches Frühstück kommt auch außerhalb Frankreichs niemals ohne einen heißen Café au Lait und leckere Croissants aus.

Croissants schon mal selber gemacht? Eine Auswahl von Rezepten finden Sie hier.

Mittwoch, 20. August 2008

Französisch – die Sprache der Liebe

Charmant, feinsinnig, zärtlich, romantisch – der französischen Sprache werden viele positive Merkmale zugesprochen. Als „Sprache der Liebe“ wird sie vor allem auch von uns Deutschen bezeichnet. Doch woher kommt diese Redensart? Was macht ein zart geflüstertes „Je t’aime“ um so vieles romantischer als ein schlichtes „Ich liebe dich“ oder das etwas inflationär gebrauchte „I love you“?

Die romantischen Vorstellungen und Assoziationen zur französischen Sprache haben ihren Ursprung unter anderem im 18. und 19. Jahrhundert. In der französischen Literatur war das Zeitalter der Romantik angebrochen und die Schriften der Autoren aus Frankreich erfreuten sich unter Intellektuellen und beim Adel in ganz Europa größter Beliebtheit. Bildungsreisen ins europäische Ausland kamen zu jener Zeit ebenfalls in Mode, die auch meist eine längeren Aufenthalt in Paris beinhalteten. Berichte aus der „Stadt der Lichter“ taten daher ihr Übriges, das Bild des romantischen und eleganten Frankreich ins Ausland zu tragen.

Die französischen Chansons beschworen spätestens seit dem 20. Jahrhundert erneut den Mythos der „Sprache der Liebe“. Wenn Edith Piaf „C’est l’amour“ anstimmt oder Serge Gainsbourg und Jane Birkin "Je t'aime" ins Mikrophon hauchen, bleibt kaum einer ungerührt. Das Chanson wurde zum Inbegriff der Liebe, des Leidens und des Dramas, auch wenn er sich immer wieder politischen Themen zuwendet.

Französisch hört sich für unsere Ohren nicht nur sehr melodiös an - die Franzosen geben sich auch vergleichsweise große Mühe, sich mit höflichen Äußerungen und Komplimenten beim anderen Geschlecht beliebt zu machen. Macht „Mann“ im Deutschen unwirsch auf sich ausbreitende „Fettpölsterchen“ aufmerksam spricht der Franzose galant vom "poignée d'amour", einem "Haltegriff der Liebe". Auch der „Bierbauch“ kommt bei unseren Nachbarn besser weg, er heißt hier "coussin d'amour", das „Kissen der Liebe“.

Ein weiterer Beitrag zum Thema im Internet

Internationale Popgrößen starteten in der Vergangenheit immer wieder Ausflüge in die Sprache der Liebe, zu hören auf dem Sampler „Parlez Vous Pop?“
. Hörproben finden Sie hier.